Die Reise beginnt…

Lieber Besucher! Dieser Blog ist so aufgebaut, dass die neusten Einträge immer oben stehen. Dies ist für meine regelmäßigen Follower natürlich angenehmer, da man somit ohne langes scrollen den neusten Beitrag oben hat. Ihr könnt einfach beim ersten mal von unten nach oben lesen. Dann kennt ihr auch die Vorgeschichte.

Solltest du zum ersten mal hier sein, möchte ich dich bitten meine Einführung „Warum dieser Blog“ zu lesen. Das wäre mir wichtig!

Euer Dominik :-*


Day 96 – Mittwoch, 06.11.19

Liebe Leser meines Blogs!

Heute melde ich endlich mal wieder. Heute sicher für viele mit einer überraschenden Nachricht.

Zunächst aber zum status quo: ich bin seit Montag Zuhause und muss (wenn alles gut geht) frühestens am 22. November für die nächste Phase wieder rein.

Die künftigen Phasen sind so geplant, dass ich eine Woche Stationär Chemo bekomme, dann ca. zwei Wochen stationär Ruhephase habe und sobald die Werte OK sind, ich wieder für ca. 3-4 Wochen Zuhause bin. Also viel besser wie die ewigen 15 Wochen bis jetzt.

Nun zu meiner überraschenden Nachricht. Ihr habt ja bemerkt, dass der Blog in den letzten Wochen von mir nur spärlich gefüttert wurde – von der Qualität der Beiträge ganz zu schweigen.

Dies hat nichts damit zu tun, dass ich keine Lust mehr hatte, ein bisschen vielleicht, dass ich zu platt war. Aber der Hauptgrund liegt irgendwo anders:

Ich habe sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Er hat mir Freude bereitet.

Es gibt aber (immer mehr) negative Stimmen die uns erreichen, beschäftigen und belasten.

Deshalb habe ich nun beschlossen, zu diesem Zeitpunkt, wo ich eh mehr Zuhause bin und mich um meine liebe Familie kümmern möchte, den Blog zu beenden. Bitte habt Verständnis!

Natürlich könnt ihr mich weiter kontaktieren, habt aber auch Verständnis, dass wenn es zu viel wird ich nicht (gleich) antworten werde.

Laut Ärzten habe ich den größten Brocken hinter mir, von dem her hoffe ich eh auf keine großen Besonderheiten mehr.

Somit bleibt mir nur noch, mich nochmal bei euch zu bedanken!

D A N K E !!!

Day 87 – Montag, 28.10.19

Es geht nicht gut. Die Nebenwirkungen der letzten Chemo schlagen voll durch.

Nichts Lebensbedrohendes, aber äußerst unangenehm.

Gebt mir einfach Zeit. Es wird wieder. Ich wäre nun gerne zu Hause. Klappt halt wieder nicht.

Fragt bitte nicht nach. Ich schaff das. Hinterher kann ich besser Antworten geben. Jetzt möchte ich nur schlafen.

Heute hatte ich meine gefürchtete Punktion. Die klappte sehr gut!

Heute habe ich auch den Rekord an Pumpen auf der Station aufgestellt…

Also: macht euch keine Sorgen! Ich verstehe euch! Mir fehlt nur die Kraft zum schreiben.

Sobald ich mich melde, geht es mir besser. Ich hoffe das ist bald!


Day 78 – Samstag, 19.10.19

Ohje. Ich muss Euch kurz updaten. Alles ist OK aber hochkomplex.

Deshalb kurz: anstatt zwei drei Tage zu Hause habe ich mich gnadenlos dafür entschieden die Behandlung im Plan fortsetzen.

Auch wenn nächste Woche schon Woche 12 anbricht.

Der Lohn: ich bin weiterhin im Zeitplan (nicht unwichtig für den Kopf) und wenn es einigermaßen normal läuft, winkt ein mehrwöchiger Heimaturlaub.

Hofft mit mir, dass ich nun belohnt werde!

Alles andere läuft bisher. Das eine besser, das andere etwas schlechter. Aber unterm Strich alles im Lot.

Das einzig doofe: der Abschluss macht wieder die Punktion…

Muss ich auch wieder schaffen und sobald die Werte dann oben sind, komme ich!


Day 75 – Mittwoch, 15.10.19

Die Werte steigen weiter und wenn sie morgen noch gut sind, geht es sofort mit der nächsten Phase weiter.

Diese besteht aus sechs Tagen Chemo und sobald meine Werte dann wieder in Ordnung sind, Heimat! Geplant bis zu vier Wochen! Hoffentlich macht mein Körper diesmal mit und ich bekomme keinen Infekt!

Wenn also alles gut geht, bekomme ich morgen meinen ZVK wieder gelegt und muss zum Ultraschall. Es wird abgeklärt ob ich noch Wasser in der Lunge habe, dies darf bei der Chemo nicht sein.

Es bleibt spannend!


Day 74 – Dienstag, 15.10.19

Die Werte sind weiter am steigen. Leukozyten 2.690 und Thrombozyten 22.000.

Leider habe ich den Prof heute nicht zu Gesicht bekommen und ich weiß noch immer nicht wann und wie es weitergeht.

Warten wir auf morgen…

Day 73 – Montag, 14.10.19

1450! Das Tal ist durchschritten. Jetzt müssen die Thrombozyten noch in die Gänge kommen.

Heute habe ich noch verschiedene Untersuchungen. Bin gespannt wie und wann es weitergeht. Hoffe dazu weiß ich morgen mehr.

Ich lag jetzt lange genug „untätig“ hier rum!

Day 69 – Donnerstag, 10.10.19

Es ist wieder Zeit und es gibt einen Grund für ein Update. Ich traue es mich kaum zu schreiben so schwach sind die News. Ein zartes Pflänzlein hat sich heute morgen gezeigt: die Leukozyten sind wieder messbar, wenn auch auf niedrigem Niveau (110), aber es tut sich was.

Was bedeutet dies für mich? Klar, morgen kann es wieder anders aussehen. Aber! Das Knochenmark arbeitet wieder! Das alleine ist schon Freude genug.

Nun hoffe ich, dass aus dem zarten Pflänzlein die nächsten Tage ein starker Aufwärtstrend wird. Dann schaffe ich auch die anderen Nebenwirkungen zu meistern!

Wenn es so ist, wie geht es weiter? Dies ist noch nicht ganz klar. Entweder kurze Pause Zuhause und dann weiter mit Therapie, oder direkt durchziehen und sofort weitermachen. Beides hat seinen Vorteil.

Ich lasse es Euch wissen, wenn es wie weitergeht.


Day 65 – Sonntag, 06.10.19

Hallo Ihr!

Ich will mich mal wieder kurz melden. Was war / ist los?

Am Freitag (27.09.) hatte ich ja die letzte Therapie. Mein Plan: nach fünf Tagen bin ich wieder fit und ich bin zum Feiertag in Weisweil. Das war der Plan…

Die Realität: meine Werte vielen ins Bodenlose. Leukos nicht nachweisbar. Thrombos 5.000 anstatt 140.000 und es kam was kommen musste. Ich hab mir einen Infekt eingefangen. Fiber, Schüttelfrost und total platt. Kreislauf ist so tief, dass ich mich nur bedingt selbst waschen kann. Einmal bin ich auch im Bad weggetreten. Ging noch gut aus, konnte noch rechtzeitig den Notfallknopf drücken. Da war Alarm in der Bude. Also, fast so schlimm wie Männerschnupfen.

Weil ich so kaputt war, konnte ich nicht schreiben. Aber heute geht es mir besser und ich möchte euch mal wieder updaten. Konnte sogar ein paar Stunden arbeiten.

Die Werte sind weiterhin im Keller. Mein Knochenmark kommt nicht in die Gänge. Ein Nachhause nicht in Sicht und am 14.10. soll die neue Runde starten. Schauen wir mal.

Macht euch keine Sorgen – alles wird GUT! :-*

Day 60 – Dienstag, 01.10.19

Mittlerweile bin ich in der neunten Woche hier. Die ersten Therapien sind abgeschlossen und ich hoffe auf Zuhause.

Leider kommen die Werte alles andere als in die Gänge und ich bin platt, müde und erschöpft.

Macht euch keine Sorgen! Wenn es mir besser geht oder sich was gravierendes tut, melde ich mich wieder.

Nur im Moment ist mir selbst den Fernseher umzuschalten zu viel. Essen und Bad ein Kampf.

Ich hoffe zum Wochenende hin auf Besserung. Schauen wir mal.


Day 57 – Samstag, 28.09.19

Heute erster Tag ohne Chemo. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass es mir schlagartig besser geht. Das war natürlich eine Illusion.

Irgendwie läuft es einfach nicht rund. Nichts schlimmes, aber es nervt halt alles.

Es sind die Kleinigkeiten die nun nerven. Da ich keinen ZVK mehr habe, muss nun wieder Blut mit der Spritze geholt werden. Zum zweiten Mal wurde eine Probe vergessen und gleich neu gestochen werden.

Beim spülen ist der Schwester ein Fehler unterlaufen. Sie hat viel zu schnell eingespritzt. Vene „geplatzt“ und die ganze Soße läuft ins Gewebe. Mein Unterarm sieht aus…

Natürlich wieder neuen Zugang legen…

Essen geht natürlich auch noch nicht besser. Mittagessen bestand aus einer Nudel. Dann war es vorbei. Ich muss dann sofort auf die Toilette und hab Bauchkrämpfe bis der Kreislauf schlapp macht.

All das nervt jetzt. Hoffentlich wird das nun schnell besser.


Day 56 – Freitag, 28.09.19

Die Chemo ist zu Ende, aber zum Abschluss habe ich dermaßen viele Infusionen und Tabletten bekommen. Ich war den ganzen Tag im Schlummerland.

Deshalb verspätet diese Zeilen.

Ab jetzt gilt es Fit zu werden, damit ich nach Hause komme. Mein Ziel ist der Mittwoch vor dem Feiertag. Doc denkt erst zum Wochenende. Schauen wir mal.

Day 55 – Donnerstag, 26.09.19

Sodele. Letzte Chemo via Infusion ist durch. Soweit so gut. Das Essen wird dennoch immer schwieriger. Aber jetzt habe ich ja den Lichtblick auf Zuhause.

Morgen bekomme ich nochmal Medikamente und dann geht es hoffentlich senkrecht aufwärts.

Ich hoffe auf Mittwoch entlassen zu werden. Bin gespannt!

Ansonsten waren mein Zimmergenosse und ich heute sehr faul. Haben viel geschlafen und sind trotzdem müde.

Deshalb: bid die Tage!

Day 54 – Mittwoch, den 25.09.19

Heute war ein guter Tag! Die Bestrahlung habe ich nicht vermisst. Die vorletzte Chemo vor der Pause hab ich wieder gut vertragen. Ich hab heute via Skype an der Entwicklungsbesprechung teilgenommen – also wieder ein bisschen Normalität.

Das schönste waren aber die Nachrichten vom Oberarzt. Ich wusste ja, dass ich nach der letzten Chemo morgen wieder aufgepäppelt werde und dann bis zum 14.10. nach Hause darf.

Danach ist die sogenannte Konsilidierungsphase. Das wusste ich. Aber nicht wie da der zeitliche Ablauf sein wird. Dies hat mir der Doc nun verraten: inkl. Aufbauphase soll ich maximal drei Wochen stationär sein. Dann wieder 2-3 Wochen in Freiheit.

Auch die Behandlung wird deutlich milder.

Nach nun fast acht Wochen ist das echt Balsam für die Seele!


Day 53 – Dienstag, 24.09.19

Den Dienstag muss ich nachtragen. Ich habe gestern ein Medikament gegen die Übelkeit bekommen. Das hat mich so weggebeamt, dass ich gestern einfach durchgeschlafen habe.

Ansonsten hatte ich wie geplant die letzte Bestrahlung. Endlich was zum abhaken.

Blöd war die Nacht. Ich hab mir gegen vier Uhr im Schlaf wohl den ZVK (Dreifachsteckdose am Hals) rausgerissen. Ich erspare euch die Details wie unlustig das mit Heparin für die Schwester und mich war.

Ich hab mich wahnsinnig geärgert, dass sowas nach sieben Wochen und zwei Tage vor der Behandlunghspause passieren muss. Jetzt werden die letzten Tage über den Venenzugang am Unterarm gemacht.


Day 52 – Montag, 23.09.19

Heute haben wir hier extreme Probleme mit dem WLAN. Ist immer nur für Minuten online.

Und heute hat die letzte harte Woche begonnen – mit dem härtesten Tag. Das bedeutet:

– Vorletzte Bestrahlung (morgen die letzte).

– Chemo via Infusion, Donnerstag ist da die letzte bis zur nächsten Stufe eingeplant.

– Meine blödeste Therapie, aber für eine ganze Weile die letzte: Punktion des Rückens mit Chemo direkt ins Nervenwasser. Das hat heute „schon“ beim fünften Versuch geklappt und ich bin somit bei vier Behandlungen, bei 35 Versuchen…

– Da meine Werte weiterhin und logischerweise sehr tief sind, zwei Infusionen mit Thrombozyten.

– Nebenbei bekomme ich rund um die Uhr Heparin und Antibiotika, auch via Infusion. Bin also den ganzen Tag „online“, wenn auch nicht im Internet.

– Um 22 Uhr ist dann Finale für heute. Die dritte und letzte Chemo.

Kein Wunder also, dass ich kaum noch was runter bekomme. Bin ja so schon gefüllt wie eine Weihnachtsganz. Dennoch war es heute mit dem Essen ok.

Trotz der ganzen Chemie geht es mir den Umständen entsprechend recht gut. Heute kam etwas Kopfweh und ein heißer Kopf durch die Bestrahlung dazu und ich bin dauermüde. Die Übelkeit hält sich in Grenzen und die anderen „Wehwehchen“ werden behandelt.

Im Gegenteil, heute konnte ich das Festessen vom Waldeckhof genießen. Das hat mir Heike und Jochen zukommen lassen. Dankeschön! Das war ein Highlight heute!

Somit schieße ich nun und hoffe mein Text geht irgendwann raus an euch.


Day 51 – Sonntag, 22.09.19

Heute ist ein besonderer Tag. Deshalb habe ich heute keine Zeit für euch. Denn heute ist unser Jahrestag und der erste Standesamtliche Hochzeitstag. Ihr versteht sicher, dass ich deshalb meine Zeit und Gedanken nur für Conny habe. Aber ein paar Bilder und ein Lied habe ich für euch!

Danke Schatz an dieser Stelle für das wundervolle Hochzeitstagsgeschenk und den Song!

Sarah Conner – Dank Dir

Day 50 – Samstag, 21.09.19

50 Tage schon hier. Aber dafür geht es mir heute einen ticken besser. Liegt das vielleicht doch an der nicht bekommenen Bestrahlung am Wochenende? Das lässt auf nächste Woche ab Mittwoch hoffen, wenn ich die Bestrahlungen hinter mir habe.

Ein bisschen liegt es aber auch daran, dass Schatzi mit Emily und Schwiegermama heute da waren, ich heute mein neues Handy bekommen habe, von Jochen ein Schnitzel und wir eine richtig große Runde laufen konnten.

Was blöd ist: heute wäre ich gerne auf einer 50er-Feier auf dem Waldeckhof. Geht aber nicht. Morgen haben Conny und ich unseren Jahrestag und unseren ersten Standesamtlichen Hochzeitstag. Den müssen wir am Krankenbett feiern. Doof.

Aber so wird es noch viele Dinge ohne mich geben. Damit muss ich mich abfinden und lernen damit umzugehen.

Day 49 – Freitag, 20.09.19

Zur Zeit plätschern die Tage so vor sich hin. Es ist einer wie der andere. Durch die starke Therapie bin ich nach wie vor platt und liege daher viel.

Selbst den Blog am Laptop zu schreiben ist mir zu viel Gedöns. So liege ich hier im Bett und schreibe diese Zeilen auf dem Handy. Geht auch irgendwie. Nur YouTube-Videos einbinden geht leider nicht.

Aber das wird wieder! Montag die vorerst letzte Rückenpunktion mit Chemo und Dienstag die letzte Bestrahlung. Zwei „Belastungen“ weniger. Am Wochenende habe ich dann die harte Induktionsphase 2 hinter mir.

Jetzt aber was ganz anderes und damit schließe ich den Blog heute: Uta und Jörg, an dieser Stelle alles Gute zur Hochzeit!

Day 48 – Donnerstag, 19.09.19

Irgendwie klappt das momentan nicht mit dem Blog früher schreiben.

Zum einen bin ich doch ganz schön platt und zum anderen habe ich oft den ganzen Tag Programm und falls es mal eine Pause gibt, liegt man doch mal ganz gerne hin.

Heute war aber noch was anderes. Ich bin wieder verlegt worden – auf meinen dringenden Wunsch. Ich kann hier nicht viel schreiben, aber das im alten Zimmer ging gar nicht. So einen egoistisches und negativen Menschen habe ich noch nicht erlebt. Das brauche ich jetzt nicht! Sorry dem Patienten der nun an meinen Platz gerückt ist!

Nun ist es aber ok. Ich kenne den neuen Zimmergenosse. Ich war zuvor schon mal mit ihm zusammen. Es war Zufall, dass er heute wieder stationär kam und ich musste die Gunst der Stunde nutzen. Ich bin nun in Zimmer 12. Danke an die Schwestern, die das Patiententetris für mich arrangiert heben!

Update zu mir. Eigentlich unverändert. Noch 3x Bestrahlung. Werte (gewollt) im Keller. Der ein oder andere Wert bisschen zu tief. Deshalb mal wieder eine Bluttransfusion genossen.


Day 47 – Mittwoch, 18.09.2019

Ohje, ich hatte heute Abend Besuch. Der hat mir das Abendessen gerettet, in dem er mir eine Scheibe gekochter Bauspeck mitgebracht hat.

Ich hab ja mal gesagt, ich schreibe keine Namen. Deshalb, es war ein Metzger aus Wagenstadt der bei mir in der Band spielt. 😊 Dankeschön!

Danach habe ich mich hingelegt und bin eingepennt – bis eben. Deshalb melde ich mich erst jetzt.

Nun zu mir. Eigentlich war der Tag absolut identisch wie der gestrige. Nur mit dem Unterschied, dass es mir nicht ganz so schlecht ging.

Ein Lichtblick habe ich auch: diese Woche noch 2x Bestrahlung und nächste Woche noch 2x Bestrahlung. Dann habe ich das zumindest hinter mir.

Bisschen Wellness von Schatzi muss sein!

Day 46 – Dienstag, 17.09.19

Heute leider kein großer Text. Hatte heute heftig Kreislaufprobleme und seit ca. 17 Uhr ist mir wieder schlecht und kalt.

Habe Medikamente dagegen bekommen. Die machen Saumüde. Ich schreibe diese Zeilen unter komatösen Zuständen.

Aber ein Song geht immer. Den habe von Zims, einem Motorradkollegen bekommen. Danke dafür! Ist mal ein ganz anderer Stil. Bin gespannt ob er euch gefällt.

Thomas D – Millionen Legionen

Day 45 – Montag, 16.09.19

Tag 45 – und somit heute exakt seit sechs Wochen stationär.

Seit sechs Wochen nicht mehr Zuhause in Weisweil gewesen. Seit sechs Wochen nicht mehr in der Firma gewesen, nicht in der Bandprobe, auf keinem Fest oder eine Kugel am Bouleplatz geschmissen.

Seit sechs Wochen meinem Mandat als Gemeinderat nicht nachgekommen – gut, es gibt Dinge und Personen, die vermisst man gar nicht so sehr…

Andere schon eher: sechs Wochen keinen Kuss mehr bekommen und nun sind auch die so dringend notwendigen Umarmungen tabu.

Dennoch, mir geht es gut. Auch wenn ich diese Dinge vermisse, es fällt mir die Decke noch immer nicht auf den Kopf.

Sechs Wochen hier und wirklich keine Minute Langeweile. Ich bin so dankbar, dass ich noch arbeiten kann und meistens zumindest auch Gitarre spielen.

So viel zu meinem „Jubiläum“. Ein kleiner Lichtblick tut sich am Horizont auf. Wenn ich die nächsten 14-Tage der Vollgas-Therapie überstehe und meine Werte sich rasch erholen, bin ich ab ca. dem 3. Oktober für ein Paar Tage beurlaubt.

Diese Zeit will ich intensiv mit Conny genießen bevor der Gong Runde 2 im Kampf einläutet. Bitte habt Verständnis dafür.

Oben habe ich von Vollgas-Therapie gesprochen die nun schon voll im Gange ist. Hier mein heutiges Tagesprogramm:

– gleich nach dem Frühstück erste Chemo über die Infusion

– danach die Überraschung des Tages. Sie haben die Rückenpunktion auf sofort vorgezogen. Ich muss fair sein. Es hat nach dem zweiten Versuch geklappt. Dennoch eine schmerzhafte Tortur, aber kein Vergleich. In dem Zug wurde ja auch gleich die zweite Chemo heute direkt in den Rücken gespritzt.

– nach einer Stunde Sandsackliegen, ging es gleich zur Bestrahlung und zum Röntgen (kommt da ja auch nicht mehr drauf an)

– da meine Werte nun so im Keller sind, hänge ich momentan an einer Bluttransfusion

– dies ist nötig, da ich um 22 Uhr die letzte Chemo für heute bekomme…

Für Weisweiler: Dungili im Tetrapack

Dafür aber auf dem Rückweg von der Strahlenklinik ein Eis gegönnt, ätsch! Und bevor jemand fragt: natürlich habe ich zum essen den Mundschutz still und heimlich runtergenommen.


Day 44 – Sonntag, 15.09.19

Heute geht es mir etwas besser. Bad war wieder sehr anstrengend, auch ohne duschen. Bin heute Mittag mit Family eine große Runde gelaufen. Habe sicherheitshalber den Rollstuhl mitgenommen, es ging aber ohne. Also prima!

Mein Zimmernachbar durfte heute nach Hause und evtl. kommt heute Abend noch ein neuer. Die Betten hier sind (leider) sehr begehrt.

Heute möchte ich aber mal nicht so viel von mir schreiben. Ich hab ein anderes Thema: ich finde eure Reaktionen auf meinen Blog umwerfend, herzlich und für mich sehr hilfreich! Unter anderem schreibt ihr mir, wie tapfer ich bin, was ich alles ertragen muss, etc. Das unterstützt mich alles ungemein.

Dennoch möchte ich heute den Blog all denen widmen, die das selbe oder vielleicht noch schlimmere Schicksal mit mir teilen. Nicht jeder kann so offen damit umgehen wie ich. Aber auch all die anderen – und das sind alleine in Weisweil verdammt viele – leiden unter der Krankheit. Deshalb mein Respekt und Kraft für alle Leidensgenossen und deren Angehörigen von mir! Gebt nicht auf! Kämpft für Euch und eure Familie!

Natürlich ist der heutige Song für euch! Den habe ich zur Motivation von meinem Musikkollegen Ewald bekommen:

Peter Gabriel (feat. Kate Bush) – Don’t give up

Day 43 – Samstag, 14.09.19

Oh wo soll ich heute bei so einem emotionalen Tag nur beginnen? Vielleicht bei einem Satz der mir seit heute morgen durch den Kopf geistert und euch nun erst mal verwundern wird, der sich euch aber im weiteren Text erschließt:

Grundgesetz Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Die Nacht war wieder gut, die üblichen Unterbrechungen wie Infusionswechsel und Toilettengänge. Nur nach der Blutabnahme habe ich ein bisschen doof geträumt. Bin aber immer wieder gut weggedöst.

Frühstück ging, von drei Brötchen schaffe ich halt nur noch zwei dann wird mir zu sehr schlecht. Käse kann ich gar nicht mehr sehen oder riechen. Selbst jetzt wo ich das schreibe würgt es mich.

Visite kam früh, noch während des Frühstücks. Noch kein Ergebnis wegen der Tuberkulose. Doc hat erklärt, fundiert kann man dies erst nach 3 Monaten sagen. Sie stufen die Gefahr aber als sehr, sehr unwahrscheinlich ein. Hoffen wir mal…

Blutwerte sind weiterhin im Keller (Leukos 272). Das Minimum zur Umkehrisolation ist 1.000. Ich hab den Doc auch gefragt, ob mein schwächerwerden und der damit verbundene Schwindel bei „Anstrengung“ auf die Therapie zurückzuführen ist, oder weil ich mich einfach zu wenig anstrenge. Er versichert mir, es liegt an der Therapie und das macht ihm gar keine Sorgen. Alles im Plan.

Dann bekam ich die Hiobsbotschaft des Tages: nächsten Dienstag und den Dienstag darauf, zur Chemo und Bestrahlung wieder Rückenpunktionen. Jegliche Farbe wich aus meinem Gesicht.

Nach dieser Botschaft und dem Frühstück, musste ich mich (wie nach jeder Mahlzeit) erst einmal hinlegen, die Gedanken sammeln und mich von der Anstrengung des Frühstücks ausruhen.

Als nächstes folgte der Rückschritt des Tages. Ich ging ins Bad. Zahn und Mundpflege und duschen. War immer anstrengend, ging aber. Bisher. Unter der Dusche wurde mir vor Anstrengung so schlecht und schwindelig, ich konnte mich noch auf den Duschhocker von meinem Zimmergenossen retten.

Da saß ich. Klatschnass, zitternd, erschöpft und die Notfallklingel im Blick. Ich wollte nicht! Ich will mich nicht waschen lassen müssen von Schwestern die meine Töchter sein könnten. Da saß ich, ja heulend und mit dem Satz der wie ein Laufband vor der Stirn lief: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Wirklich?

Vielleicht ist es falscher Stolz und ich begebe mich unnötig in Gefahr. Aber soweit bin ich (noch) nicht. Was folgt als nächstes? Bettpfanne und Windeln?

Nach einer längeren Pause, konnte ich mich etappenweise abtrocknen und anziehen. Bin sofort ins Bett und war fertig mit der Welt.

Erst zum Mittagessen habe ich die Nase unter der Bettdecke hervorgestreckt – ich muss ja essen um zu kräften zu kommen – und habe mich an den Tisch gesetzt. Es gab Indischen Reiseintopf. Der ist echt gut. Hab zumindest die Hälfte geschafft. Dann wieder ins Bett.

Ich hab geschlafen bis kurz vor 16 Uhr. Dann gab es einen Gedankenwechsel. Ich muss raus. Ich muss mich bewegen. Ich habe Aufgaben vom Physiotherapeuten bekommen. Unter anderem 15 Minuten am Stück pro Tag gehen. Bin ich ein Kämpfer oder doch nicht? Ich will kämpfen!

So habe ich mich aufgerafft, Mundschutz auf, mein Infusionsständer geschnappt und raus auf den Flur. Von Schleuse zu Schleuse kann man hier auf dem Flur im 3/4 Kreis laufen. Pro Runde brauche ich 5 Minuten und siehe da, ich habe die 15 Minuten geschafft! Die Endorphine steigen!

Zurück im Zimmer wollte ich mich nicht wieder gleich hinlegen, sonder sitze nun am Tisch und schreibe nun diese Zeilen – früher als sonst. Dies hat aber noch einen zweiten Grund: Die letzten Tage ging es Abends einfach nicht so gut. Darunter hat auch mein Blog gelitten. Ihr habt es vielleicht bemerkt. Das möchte ich nicht. So versuche ich nun meine Gedanken früher nieder zuschreiben.

Noch was dazu: falls es mir bei der Behandlung, die nun in den nächsten zwei Wochen noch intensiver wird, mal so schlecht geht, dass ich einfach nur unter großer Anstrengung schreiben kann. Dann lass ich es vielleicht an dem ein oder anderen Tag lieber ganz sein.

Macht euch keine Sorgen, ich bin hier sehr gut aufgehoben und umsorgt!

Keep on fighting!

Scorpions – N Pain No Gain

Day 42 – Freitag, 13.09.19

Im Moment läuft es nicht so gut. Die Leukos sind auch wieder unten und ich bin wieder Umkehrisoliert. Therapie läuft nach Plan, aber die Nebenwirkungen nehmen deutlich zu – was ja zu erwarten war.

Konkret macht mir so eine Grundübelkeit zu schaffen. Diese hatte ich gestern bis zum Nachmittag und heute seit heute Nachmittag. Ausgerechnet heute Abend gibt es Pizza und ich bekomme nichts runter. Alleine der Geruch 🤢

Somit fällt auch lesen, fernsehen und auch das schreiben schwerer.

Morgen und Sonntag habe ich Bestrahlungspause. Hoffentlich geht es mir dann am Wochenende besser.

Ach ja übrigens: ich habe euch vorenthalten, warum ich gestern so fluchtartig umziehen musste. Bei meinem Zimmergenossen wird Tuberkulose vermutet…

Ich wurde natürlich auch getestet – auf das Ergebnis warte ich noch sehnsüchtig. Dauert aber noch…

Morgen ist ein neuer Tag ✊🏼


Day 41 – Donnerstag, 12.09.2019

Hey ihr! Nur ganz kurz. Sondersituation: mein Zimmergenosse hat sich wohl was eingefangen. Ich musste fluchtartig das Zimmer verlassen.

Da das neue Zimmer noch nicht soweit ist, liege ich auf dem Gang. Brille, Laptop sind verpackt und schreiben nur mit Handy ist doof.

Deshalb, bis morgen 👋🏼

Man lernt hier echt viele Leute kennen!

Day 40 – Mittwoch, 11.09.2019

Nachdem heute außer so ein bisschen Bestrahlung und Chemo nichts anstand, war ich recht entspannt was den Tag angeht.

Heute morgen war ich zwar müde, trotz recht guter Nacht – ich führe dies auf die letzten beiden Tage zurück – und hab mir den Luxus gegönnt und habe mich wieder hingelegt.

Gegen Mittag wurde es besser und habe heute sehr viel Gitarre gespielt. Ging echt gut!

Was ich aber nun doch langsam merke ist, dass mich das Essen mehr und mehr Überwindung kostet. Nicht bei allen Lebensmitteln, aber bei manchen recht deutlich – ich geh da mal nicht tiefer ins Detail…

Ansonsten nach wie vor OK. Ich war heute ein bisschen laufen und hab zum Abschluss die Treppe bis oben genommen. Außer Atem – aber geschafft! Arbeit am Laptop war auch ohne Probleme möglich.

Der Hammer heute war wieder mal mein Bro (siehe Day 27). Kommt der doch einfach so wieder vorbei. Hat eine Bikermütze auf (natürlich mit der Aufschrift „Bro“). Greift in die Tasche und schenkt mir genau so eine! Toll oder! Aber! Dann zieht er seine runter…der Verrückte hat sich auch ein Glatze rasiert. Unglaublich! Ich hab keine Worte was DER alles macht! Hammer!

Deshalb gebührt der heutige Song ausnahmsweise nur dir!


Day 39 – Dienstag, 10.09.19

Wo fange ich nach dm Post von gestern an? Ich erwachte irgendwann aus einer überraschend traumlosen und gar nicht so schlechten Nacht. Mit zunehmender Besinnung kam mehr und mehr die Angst vor der heutigen Folter Teil 2 – ohne Aussicht auf Erfolg.

Zum Frühstück hatte ich Besuch von meinem Leidensgenossen Markus. Ich musste ihn wegschicken, mir wurde zunehmend übler.

Dann standen sie plötzlich da , die Halbgötter in weiß und fragten nach meinem „Wohlbefinden“. Ich bin ehrlich, ich konnte nur unter Tränen meinen Zustand beschreiben. Habe nach Alternativen gebettelt, um den Sinn diskutiert. Die Argumetne der Ärzte waren immer plausibler und stärker – dies ist mein scheiß Kampf den ich führen muss.

Ich stimmte zu – nicht ohne eine Elefantendosis Beruhigungsmittel und zumindest einer Lokalanästhesie der Einstichstellen.

Allen Mut und Kopfkissen zusammen genommen und mich auf den Scheiterhaufen die Baare begeben. Nach dem achten Versuch ist es geglückt und trotz Schmerzen liefen mir Freudentränen über die Wangen noch während die Chemo in den Rücken gespritzt wurde. Man lernt immer wieder neu – es kommt auf die Sicht der Dinge an, die einem Freunde bereiten können… Lombalpunktion: DONE!

Natürlich hat Schatz mich gleich in Empfang genommen, wenn auch etwas anders als davor. Die beiden Doc’s haben mich zugedröhnt, ich war doch ein bisschen out of space – auch bei der gleich folgenden Bestrahlung. Hab die angewiesen Bilder von mir zu machen 🙂

Die Chemo habe ich überhaupt nicht mehr mitbekommen. Ich habe bis eben grinsend geschlafen und hoffe der Blog ist nicht allzuvoll mit rosa Elefanten 🙂

Also – es geht mir guuuuuuut 🙂



Day 38 – Montag, 09.09.2019

Heute fünf Wochen stationär und ein befürchteter Tag. Erste Bestrahlung von zwölf. Chemo und die Rückenpunktion – welche letztes Mal ja nicht, sagen wir mal, ganz optimal lief.

Doch wie war es heute? Die Bestrahlung, klar, komisches Gefühl. Angeschnallt unter der Maske. Der komische elektrische Geschmack währenddessen. Aber kaum etwas gespürt, auch jetzt heute Abend noch nicht. Gut!

Chemo Nr. 13 lief wie bisher auch ohne Probleme. Heute bekam ich zusätzlich Immunglobuline (Antikörper). Diese sind von Spendern. Deshalb unter Überwachung bekommen. Keine Probleme. Gut!

Rückenpunktion… Wer genau wissen will, was da gemacht wir kann Lumbalpunktion mal googeln. Das ganze ist ohne Betäubung!

Die Doc’s sagten, nachdem es letztes Mal nicht gut lief und sie mich vier Mal stechen mussten, klappt es heute sicher besser…

Ich kürze mal wieder ab. Nach dem irgendwo 15. Versuch und nachdem gefühlt jeder Arzt in der Uniklinik mir im Rücken rumgestochert hat, Abbruch.

Sie wollen beraten und es morgen weiter versuchen. Ganz toll!

Ich bin fertig – und zwar richtig. Sorry aber für heute kann ich nicht mehr.


Day 37 – Sonntag, 08.09.2019

Heute war ein aufregender Tag. Ein eigentlich positiver aufregender Tag. Ich wäre froh, wenn ich morgen Abend auch positives schreiben könnte. Aber bleiben wir bei heute.

Zunächst ganz kurz das medizinische: mir geht es heute noch besser als gestern. Habe sicher zwei Stunden Gitarre geübt, war viel auf den Beinen. Alle Werte haben sich schon wieder erholt und ich bin nicht mehr umkehrisoliert. Perfekt für den heutigen Tag:

Zu Beginn der Sommerferien, also vor meiner Diagnose, wurde Emily von ihrem Vater in die Ferien abgeholt und später zu ihrer Oma und Opa nach Freyburg gebracht, wo sie weitere Ferientage verbringen wollte. Der Plan war, dass wir zu ihnen hochfahren, über das Winzerfest bleiben und Emily wieder mitbringen.

Nun, das hat natürlich nicht funktioniert. So blieb Emily bei ihren Großeltern und die haben sich heute auf den weiten Weg zu uns gemacht – und gleich zu mir.

Emily hatten Conny und ich nun fast sechs Wochen nicht mehr gesehen. Alleine das ist schon doof. Nun aber mit der Diagnose und ich im Krankenhaus – noch doofer. Aber am Ende war es ein schönes Wiedersehen – natürlich auch mit meinen Schwiegereltern, mit denen ich wirklich zweimal täglich schreibe.

Nun stand ja noch das Thema Haare heute an. Es war unausweichlich. Also runter damit. Was soll ich sagen, ja es verändert schon. Aber der Blick in die Krankheit war, oder ist, es nicht. Noch sind Augenbrauen und Barthaare da. Auch die Gesichtsfarbe ist noch gesund. Somit konnten wir das ganze etwas mit Humor angehen.

Deshalb habe ich auch kein Problem euch nun ein paar Bilder von der heutigen Schaafscheraktion zu zeigen.

Über das was morgen ansteht, möchte ich nicht schreiben, bzw. mich jetzt damit belasten. Lieber schreibe ich morgen darüber wie es war, dann habe ich es hinter mir.

Conny, Schwiegereltern und Emily zu Besuch
Eines der letzten Bilder mit Haarpracht
Wenn man aber genauer hinschaut, ist eigentlich keine Pracht, sonder eher das Model „Gerupftes Huhn“
Los geht’s…
Bisschen Spaß muss sein!
Hm, gar nicht so schlecht
Leider müssen alle weg. Hier noch mit Stoppeln…
…und hier das finale Ergebnis.
Conny’s Lieblingsbild. Warum auch immer.

Verschlagwortet mit

Day 36 – Samstag, 07.09.2019

Ohje ihr Lieben. Ich habe mich heute Abend mit einem hochinteressanten Gesprächspartner verquatscht.

Deshalb in aller Kürze: es geht mir viel besser als gestern. Chemo wieder top vertragen. Werte sind am steigen und ich bin guten Mutes für die nächsten Tage.

Heute ist mein letzter Tag (vorerst) mit Haaren. Ich verliere einfach zu viel. Morgen kommt der Rest runter. Wenn es (für mich) nicht zu schlimm ist, bekommt ihr hier ein Bild. Nun aber eins der letzten „davor“ Bilder.

Schlaft gut bis morgen! Euer Fighter!


Day 35 – Freitag, 06.09.2019

Hey ihr! Heute geht schreiben schlecht. Nach dem super Tag gestern, bin ich heute körperlich ziemlich fertig. Liege nur und schlafe viel. Werte sind ja im Keller, nur die Entzündungswerte sind erhöht. Ärzte meinen ich hab doch einen (kleinen) Infekt eingefangen.

Kurz noch was es neues gibt: morgen wollen sie mit der Induktionsphase 2 beginnen. Das bedeutet, ab morgen über sieben Tage Chemo, ab Montag Bestrahlung und, was mir gar nicht gefällt, am Montag auch wieder Punktion des Nervenwassers mit direkter Chemo in den Rücken. Das war letztes mal ganz schön aua…

Pink Floyd – Marooned
Meine Musik zum dösen

Day 34 – Donnerstag, 05.09.2019

Wie so oft, kommt es anders als geplant. Geplant war ein nicht medizinisches Thema heute. Das geht nach dem heutigen Tag aber nicht und es wird auch nur ganz kurz.

Aber es sagt ja niemand, dass das schlecht sein muss…

Ich habe gestern nicht darüber geschrieben. Aber früher als ursprünglich geplant hatte ich heute früh einen CT-Termin, um zu schauen ob die Therapie wirkt. Ob wir auf dem richtigen Weg sind – ob ich auf dem richtigen Weg bin…

Das Ergebnis sollte nachmittags vorliegen. Conny kam natürlich her und wir versuchten uns so gut es ging abzulenken und nicht allzu nervös zu werden. Es dauerte dann doch bis 18 Uhr und ich will euch nicht länger auf die Folter spannen:

Der Tumor ist so deutlich kleiner geworden, dass sahen Schatz und ich ohne Erklärung vom Arzt. Der ist voll zufrieden – er sagt sogar, dass man aufpassen muss, dass es nicht zu schnell geht, da die ganzen Zellen ja vom Körper abgebaut werden müssen. Was eine große Belastung u.a. von der Niere wäre.

Weiter: die Lymphknoten, die davor grenzwertig vergrößert waren, sind nun auf Normalgröße und man kann keinen Befall mehr feststellen!

Was soll ich sagen? Weint ein Freudentränchen mit uns! Wir sind glücklich die nächste Hürde erklommen zu haben!


Heute habe ich, wie eigentlich an allen Tagen, wunderbare Nachrichten bekommen. Eine besondere war von Elke Baumann. Elke schickte mir einen Song von Udo, den ich mit euch teilen möchte:

Dieses Lied hat mir Elke Baumann geschickt. DANKESCHÖN!

Day 33 – Mittwoch, 04.09.2019

Letzte Nacht war komisch. Arm tat weh, nicht stark, nervte aber. Wie falsch gelegen. Entsprechend schlecht geschlafen.

Dafür hat heute Morgen alles recht gut hingehauen – im Gegenteil – ich dachte das Ganze in der Strahlenklinik geht deutlich länger.

Die Maske zur Kopffixierung herstellen ging recht zügig, sieht zwar marzialisch aus, war aber fast schon Wellness. Auch die Simulation war schnell vorüber.

Meine Maske zur Kopffixierung bei der Bestrahlung.

Ich war pünktlich zum Mittagessen zurück und konnte mich noch von meinem Zimmergenossen verabschieden. Er durfte nach Hause. Einen neuen Mitbewohner habe ich auch schon. Er ist schon Rentner und macht einen netten Eindruck.

Mittags stand dann die nächste Chemo an, das gestern geschriebene PEG. Anfangs dachte ich, ich vertrage das ganz gut. Leider bekam ich im Laufe des Tages mehr und mehr Probleme. Ich wurde schlapp und bekam Schmerzen im Brust- und Schulterbereich. Ähnlich wie nachts im Arm, nur stärker.

Aber ich bin ja hier in der Klinik und wie sagen die Ärzte? Heutzutage sollte niemand an Schmerzen leiden. Also Doc berichten, Schmerzmittel bekommen, geschlafen bis Schatz da war und mich wieder massiert hat. Wunderschön!

Ansonsten war heute nichts besonderes mehr. Gut, der Haarausfall wird immer stärker. Ich glaube nächste Woche sind die Haare weg. Grundsätzlich habe ich immer gesagt, dass dies kein Problem ist. Kommen ja wahrscheinlich wieder. Wenn es aber dann soweit ist…

Und was anderes spielt noch mit. Die Krankheit bekommt ein Gesicht. Man sieht es dann. Jeder sieht dann, dass ich krebskrank bin. Glatze, Mundschutz, Hautfarbe….ein Krebspatient schaut mich aus dem Spiegel an…

Ich werde mich schon daran gewöhnen…


Day 32 – Dienstag, 03.09.2019

Nach dem Blog gestern, wartet ihr sicher schon wie es mir heute erging. Gleich vorab, besser als befürchtet! Eigentlich so wie es gestern der Professor erklärte. Ich habe definitiv nichts am/im Kopf und die Bestrahlung wird rein zur Prophylaxe gemacht und da mit niedrigeren Dosen geschossen wird als bei vorhandenen Tumoren, sind kaum Nebenwirkungen zu erwarten.

Wichtigste Aussage: der Nutzen ist deutlich höher, als das Risiko!

Wie ist der Plan? Morgen habe ich um 9 Uhr wieder Termin in der Strahlenklinik um die Vorbereitungen vorzunehmen. Es wird eine Maske erstellt, damit mein Kopf immer an gleicher Position liegt und ein CT aufgenommen. Danach erfolgt eine Simulation. Das war’s für morgen zum Thema Bestrahlung.

In ca. zwei Wochen, dies ist vom weiteren Behandlungsverlauf abhängig, werde ich zwölf mal bestrahlt. Jeweils Montag bis Freitag und Montag, Dienstag. Also über einen Zeitraum von zweieinhalb Wochen. Danach ist das Thema Bestrahlung erstmal durch.

Morgen habe ich dann noch die Abschlusschemo von Induktionsstufe 1. Das nennt sich PEG-Asparaginase. Diese soll gut verträglich sein, wird aber meine Blutwerte noch deutlicher in den Keller hauen. Danach ist Pause bzw. Aufbau der Blutwerte. Erst wenn diese in Ordnung sind, beginnt die Induktionsphase 2 mit weiteren Chemos und parallel dazu die Bestrahlung. Aber dazu mehr wenn es soweit ist mehr. Der Blog heute ist schon medizinlastig genug.

Moralisch ging es mir auch deutlich besser, habe fleißig Gitarre gespielt, gelesen, gearbeitet und gute Gespräche gehabt.

Somit bin ich wunderbar ausgeglichen und die Nacht kann kommen.


Day 31 – Montag, 02.09.2019

Vier Wochen bin ich heute hier stationär. Ich wollte euch schreiben wie schnell die Zeit verging und wie gut es mir bisher geht. So kann es weitergehen, etc.

Aber manchmal kommt es anders. Ausgerechnet heute. Es ist nichts schlimmes passiert, aber die Summe der Dinge drückt mir heute doch ziemlich auf das Gemüt.

Die Nacht war nicht schlecht. Ein bisschen habe ich das fehlende Kortison schon gemerkt. Dies puscht mich und mit geht es mir deutlich besser – ohne eben nicht. Somit war die Grundstimmung zu meinem Jubiläum doch ein bisschen bedrückt.

Das erste negative Highlight war, meine Blutwerte gehen weiter runter. Leukos (Norm 3900-9800). Schwelle 1000. Ab da bin ich umkehrisoliert. Das war ich gestern mit meinen 810 schon. Heute 530. Ich weiß, es kommt und ist ein Zeichen von Wirkung. Dennoch… Ihr versteht.

Das zweite war als die Schwester sagte, dass ich morgen früh um acht Uhr einen Termin in der Strahlenklinik habe. Strahlenklinik? Das war bisher kein Thema? Näheres konnte sie mir nicht sagen. Muss auf die Visite warten. Sie wusste nicht, dass ich das nicht wusste. Hat sich entschuldigt und ich hummle rum bis die Visite endlich kommt.

Visite: entschuldigt sich und bestätigt den Termin morgen, ist aber erstmal nur zur Besprechung. Aber: ja, ich werde bestrahlt. Der Kopf. Warum? Die beiden Professoren bestätigen mir, ich habe da nichts, aber meine Krebsart kommt, wenn sie jemals zurückkommt, gerne im Kopf zurück. Deshalb wird nun prophylaktisch bestrahlt.

Hm. Macht Sinn. Aber auch wieder Angst…

Im weiteren Tagesverlauf wurden meine ersten Nebenwirkungen doch ein bisschen stärker – sagen wir bewusster. Der Mund, besonders die Zunge, tut weh. Komisches Gefühl und schwer zu beschreiben. Selbst beim trinken, was ich viel muss, fühlt sich die Zunge an, als ob man sie sich einklemmt. Auch schmeckt alles mehr und mehr metallisch und salziger.

Nach der Visite habe ich mich in die Arbeit gestürzt. War gut. Plötzlich sehe ich auf den weißen Tisch vor mir. Alles voller Haare…

Als Krönung bekomme ich aus freiem Himmel noch Nasenbluten.

Alles in allem sind dies natürlich Kleinigkeiten mit den man rechnet. Wenn es aber dann soweit ist und dann noch alles auf einmal, ist die Haut doch dünn und die Augen feucht.

Schön, dass Schatz kam und mir trotz der Umkehrisolation den Rücken und die Füße massieren durfte. Das tat sooooo gut!

Conny kommt morgen früh auch zur Bestrahlungsbesprechung her. Ich bin gespannt. Morgen berichte ich euch davon.


PS: Die Doc’s haben die Werte für gut befunden und mir erklärt, dass ich exakt im Soll laufe.

PPS.: Bei Isolation hat der Patient einen Erreger und seine Mitmenschen müssen vor ihm geschützt werden. Umkehrisolation ist anders rum. Umkehrisolation bedeutet, dass ich mich vor anderen schützen muss.


Day 30 – Sonntag, 01.09.2019

Heute Abend bin ich platt und der Blog heute wird sicher etwas kürzer.

Was war heute alles los? Wie geplant, hatte ich dieses Wochenende nochmals viele Leute zu Besuch und gestern waren wir ja schön mit der Familie essen. Es war übrigens richtig gut und es gab an der Eisdiele noch einen Nachtisch!

Als ob ich es gerochen hätte, gehen die Werte (zumindest der Leukos) deutlich nach unten. Die neuralgische Marke ist 1.000. Meine sind nun auf 800. Dies bedeutet, wie geplant, Besuche deutlich einzudämmen oder sogar einzustellen. Eine Spritze mehr, Mundschutz, keine Rohkost, auch keine Salate oder Obst mehr. Alles nur noch durchgekocht. Noch höhere Hygienevorschriften. Etc…

Dies ist aber alles zu meinem Schutz und somit OK. Schokolade geht ja immer noch 🙂

Das die Werte nun so runtergehen erschreckt schon ein bisschen. Aber, es zeigt doch auch, dass die Medikamente wirken – gut!

Positiv: die Tage hatte ich ja erhöhte Entzündungswerte und bekam vier Tage durchgehend Medis über den Tropf. Heute sind diese wieder dunkelgrün. Eine Baustelle weniger.

Ansonsten habe ich mich noch ein bisschen mit der Software für die Gitarre beschäftigt. Puh, da muss ich mich erst reinfuchsen – aber ich hab ja Zeit und macht auch Spaß! Aber die ersten Versuche haben meine Erwartungen schon erfüllt! Spielen und üben mit coolem Sound funktioniert und macht Laune. Dies war ja das Ziel!

Ach ja. Ich schrieb euch ja, dass ich das Buch „Elefant“ fertig gelesen habe. Mein neues Buch das ich nun lese ist: „Die 13. Stunde“ von Richard Doetsch:

Nicholas Quinn sitzt im Verhörraum der Polizei. Seine Frau wurde ermordet, und man hält ihn für den Täter. Doch er ist unschuldig. Ihr Tod ist mit dem Schicksal von 212 Menschen verbunden, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind – denn eigentlich sollte Nicholas Frau an Bord dieser Maschine sein. Doch aus irgendeinem Grund hat sie die Maschine in letzter Minute verlassen. Dieser Grund ist für den Absturz verantwortlich. Und für ihren Tod. Ein Fremder betritt das Verhörzimmer. „Ihre Frau lebt noch“, sagt er. „Sie können sie retten und die 212 Passagiere des Flugzeugs.“ Er überreicht Nicholas eine goldene Uhr, auf der die Zeit rückwärts zu laufen scheint. „Sie haben dreizehn Stunden.“ Der Countdown läuft.

Die 13. Kapitel fangen hinten an (also bei Kapitel 13), da die Geschichte rückwärts erzählt wird (Stunde 13 bis Null). Ich bin schon bei Kapitel 10 (oder eben bei Stunde 10). Das Buch ist bisher echt gut. Gute Idee! Danke an den Tippgeber!

Mensch! Hat jemand am Anfang geschrieben, der Blog wird etwas kürzer? Wenn man dann dran ist, sprudelt es doch aus einem raus.

Aber nun schließe ich für heute und widme mich dem Buch – und der Schokolade 🙂


Day 29 – Samstag, 31.08.2019

Heute kommt mein Beitrag etwas früher, da ich ab heute Nachmittag Programm habe. Doch von vorne:

Diese Nacht war mal wieder fast nicht existent. Laut meinem Schlaftracker hab ich von 23:39- 1:13 und von 6:39-7:40 geschlafen. Insgesamt also 2:05. Bin aber fit und im Gegensatz zu gestern viel besser drauf!

Ganz nebenbei habe ich das Buch „Elefant“ von Martin Suter fertig gelesen. Schön war es! Klare Empfehlung!

Visite war auch schon da. Die Blutwerte (Immunwerte / Leukos / Thrombos…) gehen nun doch langsam in den Keller. Dies ist eigentlich auch zu erwarten und zeigt ja auch eine gewisse Wirksamkeit der Chemo. Anderseits bedeutet dies weitere Vorsichtsmaßnahmen und somit Einschränkungen.

Nächste Woche wird die Dosis ja weiter erhöht. Deshalb muss ich ab Montag die Besuche sehr stark einschränken. Habt Verständnis. Ich sehe euch gerne, ihr bringt mir immer Abwechslung und Ablenkung ans Krankenbett. Aber jetzt geht es um meine Sicherheit. Fragt ruhig ob ihr mich besuchen kommen könnt. Aber rechnet mit einer nicht böse gemeinten Absage.

Aber bei der Visite gab es dennoch eine schöne Nachricht: ich darf heute trotzdem nochmal für 3 Stunden raus um mit meiner Familie essen zu gehen. Geplant hatte ich ja ein Steakhouse. Leider darf ich ab jetzt nur noch komplett durchgebratenes / durchgekochtes essen. Ok, keine Rohkost, nur noch gekochtes Gemüse. Aber kein Carpaccio und Steak nur tot gebraten – das macht keinen Spaß! Also ab zum Italiener! Da hab ich auch Bock drauf!

Heute die letzte Chemo der vier Tage. Aber ohne das harte Mittel. Ansonsten passiert aus medizinischer Sicht nicht mehr viel. Um 12 bekomme ich Besuch von zwei weiteren Motorradbros. Dann Mittagessen, Mittagsschläfchen, duschen und um 17 Uhr holt mich Schatzi ab zum essen.

Ach ja! Ich bekomme heute das Interface um die Gitarre an das IPad anzuschließen. Ich freu mich wie Bolle drauf! Dann hab ich den vollen Sound einer E-Gitarre und kann zu Songs dazu spielen oder ich kann mich mit einem Backingtrack (ein Originalsong ohne die Gitarrenspur) selbst aufnehmen. Wenn ich mal was vernünftiges habe, stelle ich es hier rein.


Themawechsel. Ich möchte euch heute mal meinen Widersacher näher vorstellen. Wenn ihr das nicht lesen und sehen möchtet, stoppt einfach hier! Ich will niemand erschrecken!

Ich habe ja schon geschrieben, es ist ein großer, recht abgekapselter Tumor in der Brust. Der ist so groß, dass er die einen Lungenflügel fast komplett abdrückt (30% sind noch da, werden aber nur noch spärlich belüftet). Er drückt auch auf das Herz. Aber das größte Problem war, dass er schon viele Gefäße die vom Kopf kommen verschoben hat und einige sogar umwachsen und abgedrückt hat.

Das war so gefährlich, ich kann es jetzt ja schreiben, aber zum Teil war das nur noch ein Rinnsal und die Begründung warum mein Gesicht morgens so extrem angeschwollen war. Da floss kaum mehr was ab. Die Gefahr war wirklich, dass ich einen schweren Schlaganfall erleiden hätte können.

Wäre das nachts passiert, hätte ich keine Chance gehabt, wäre an Krebs gestorben ohne zu wissen, Krebs zu gehabt zu haben. Soweit kam es ja glücklicherweise nicht und das war der Hauptgrund warum ich nicht mehr nach Hause durfte. Das Problem haben die Docs jetzt mit Medis (u.a. Blutverdünner) im Griff. Ich bin auch nicht mehr angeschwollen und habe auch nicht mehr den gefühlten Strick um den Hals.

So, damit ihr euch das mal besser Vorstellen könnt, habe ich euch mal ein paar Bilder vom CT angehängt:

Hier schaut ihr von oben in meinem Körper. Schnitt etwas oberhalb der Brustwarzen. Der Graue große Batzen ist mein großer Feind.
Findet ihr die helle Wirbelsäule? Davor seht ihr in schwarz zwei Gefäße. Auf diesem Bild sind beide offen…
…ein paar Zentimeter weiter ist das linke Gefäß schon dicht und das zweite stark komprimiert.
Hier eine Ansicht von vorne. Schön zu sehen wie alles „verbogen“ wird“
Das gleiche in einem anderen Kontrast.

Ich weiß. Die Größe ist erschreckend. Aber nicht für die Ärzte. Das ist das wichtigste. Es dauert nur länger bis ich den Dreckspatz rausgeschmissen hab. Auch ein kleiner hätte mir an der falschen Stelle größere Probleme machen können.

Die Schlacht hat begonnen und ich werde gewinnen!


Manowar – Warriors of the World United

Die vereinigten Krieger – das seid ihr für mich!

Day 28 – Freitag, 30.08.2019

Heute vor vier Wochen habe ich die Diagnose „Krebs“ bekommen. Seither ist viel passiert. Rückblickend bin ich im Moment dankbar, dass trotz schwerer Krankheit und all den Strapazen die Ärzte mir Hoffnung geben.

Ich bin mittlerweile psychisch recht stabil und guter Dinge. Ich denke, ihr merkt das auch an dem Schreibstil hier im Blog. Klar, es gibt immer noch die Momente der Ungläubigkeit, der Verzweiflung und der Tränen. Alles andere wäre glaub ich nicht normal und selbst vorgegaukelte Glückseligkeit.

Heute ist so ein Tag. Eigentlich alles super. Tag drei der Chemo gut überstanden. Keine Schmerzen. Werte top. Hab von den Doc’s bei der Visite wieder ein Lob bekommen und wenn morgen die Blutwerte im Rahmen sind, darf ich abends für drei Stunden raus. Die würde ich gerne nutzen und mit Conny, Celine und meinen Eltern in ein Steakhouse gehen.

Also eigentlich alles gut. Aber es gibt sie halt, diese melancholischen Tage. Kann man machen nix. Aber ich weiß, morgen geht die wieder die Sonne auf – auch für mich!

Gitarre gespielt habe ich natürlich auch. Ein paar Songs die der Stimmung entsprachen. Einen davon könnt ihr unten anhören. Den Text habe ich mal auf Deutsch angehängt. Bitte nicht exakt wörtlich auf mich beziehen. Es ist einfach nur der Song…


Hurt – Johnny Cash

Heute habe ich mich selbst verletzt,
um zu sehen, ob ich noch etwas fühle
Ich richte mich auf den Schmerz,
die einzige Sache, die wirklich existiert.
Die Nadel reißt ein Loch,
der altgewohnte Stich;
versuche das Ganze zu begraben,
doch ich erinnere mich an Alles!

Was ist aus mir geworden,
mein liebster Freund?
Alle, die ich kenne,
gehen am Ende fort.
Und du könntest Alles haben,
mein verschmutztes Reich.
Ich werde dich fallen lassen,
deinen Schmerz werde ich dir bereiten.

Ich trage diese Krone aus Dornen,
auf meinem Thron der Lügen,
voll von zerrütteten Gedanken,
die ich nicht reparieren kann.
Unter den Flecken der Zeit,
werden die Gefühle verschwinden
Du bist jemand anderes
und ich bin noch immer hier!

Was ist aus mir geworden,
mein liebster Freund?
Alle, die ich kenne,
gehen am Ende fort.
Und du könntest Alles haben,
mein verschmutztes Reich.
Ich werde dich fallen lassen,
deinen Schmerz werde ich dir bereiten.

Könnte ich nochmal neu anfangen,
millionen Meilen weit von hier weg;
ich würde mich selbst bewahren,
ich würde einen Weg finden.

Hurt – Johnny Cash

Verschlagwortet mit

Day 27 – Donnerstag, 29.08.2018

Vorab – auch heute lief die Chemo ohne größere Probleme. Deshalb ein gaaaaanz anderes Thema:

Hey ihr Verrückten! Ich hab mit diesem Blog nun schon über 100 registrierte Follower und viele die so mitlesen – WOW. Heute bekam ich sogar einen Anruf aus Australien. Selbst die Trieblers da lesen mit.

Eigentlich habe ich diesen Blog nur begonnen um alle auf einem einigermaßen gleichen Stand zu halten.

Und nun folgt ihr mir, schreibt zurück auf das Zeug was ich so in meinem Cemo-Delirium von mir lasse – man ihr seid so unglaublich! Ihr wisst gar nicht wie groß ihr an meinem Glücksgefühl mitverantwortlich seid! Ja, auch Glücksgefühle gibt es in meiner Situation! Oder sogar mehr und bewusster als im Alltagstrott!

Jetzt muss ich ja noch mehr aufpassen was ich schreibe! Kaum schreib ich was von Gitarre, bekomme ich die. Davor schrieb ich was von Herrenschal. Kommt mein engster Bro (für nicht Biker: Motorradbruder) extra aus dem schwäbischen (wie jede Woche – auch unglaublich) und schenkt mir einen tollen leichten Motorradschal. Muss ich nochmal wiederholen – eine Schwabe! 🙂

Ich schreibe von dem Buch „Elefant“, das ich lese und Celine faltet mir hier für meinen Nachttisch einen kleinen Origami-Elefanten.

Genauso das Thema Kühlschrank. Unglaublich was da mittlerweile den Weg hierher gefunden hat. Salami direkt von der Ardèche. Bixeäwurscht üs Wiswil. Eier, Nutella, eigene Marmalade und, und, und…

Wahnsinn wie aufmerksam ihr seid! Und dabei wollte ich irgendwann mal schreiben, dass wir uns eine Wohnwagen zulegen wollen, der Hof neu gepflaster werden muss, wir ein elektrisches Hoftor wollen, der Giebel über der Terrasse gestrichen werden muss. Mensch, jetzt kann ich darüber gar nicht mehr schreiben. 🤣

Celines kleiner Origami Elefant ❤️

Day 26 – Mittwoch, 28.08.2018

Heute ist ja die Pause um und die nächsten vier Tage gibt es wieder Chemos. Damit begannen Sie schon recht früh heute. Das erste Medikament wurde in Form von einer Spritze direkt in den Zugang gegeben. Das hat mich doch ein bisschen geschlaucht und hab mich gleich wieder hingelegt. Das folgende habe ich besser vertragen und ich konnte gegen Mittagessen wieder ein paar Dinge auf Arbeit erledigen.

Also, Chemo Nummer 10 bis jetzt unterm Strich zufriedenstellend gut vertragen. Das wäre ja das Highlight des Tages – wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre – und meine Frau – die verrückte Nudel…

…ihr glaubt gar nicht was sie über der Schulter trug als sie reinkam. Meine Gitarre! Ich dachte ich träume! Hatte ein Tränchen im Auge!

Ich so stotternd: „…aber das geht doch nicht.“
Sie, bestimmt: „Doch das geht!“
Ich, grinsend und kleinlaut mit Blick zum Zimmernachbar: „Na gut“ 🙂

Ab dem Zeitpunkt ist alles andere in den Hintergrund gerückt. Ich hab nur noch mit Tunnelblick gespielt. Querbeet was mir einfiel – zum entsetzten meines Nachbarns auch Knockin‘ on heavens door und Stairway to heaven – grad z’Leid!

Er tut mir jetzt ja leid, aber like or leave it! Auf dem Gang hat auch noch ein Bett platz! Man bin ich heute böse. Sorry, muss die Chemo sein *teufelhörnchen*

Bitte habt Verständnis, dass ich heute bisschen kürzer schreibe. Muss noch drei Wochen Übungen nachholen 😀

Aber ein bisschen möchte ich Euch von dem Moment teilhaben lassen – auch wenn ich mich vor lauter zittern das ein oder andere mal verspiele – egal – Hauptsache spielen – auch ohne Verstärker – YES!

Still lovin‘ you – für meinen Schatz! Die Geste zählt 🙂

Day 25 – Dienstag, 27.08.2019

Gestern Abend hat sich plötzlich doch noch was getan. Meine Entzündungswerte steigen kontinuierlich an. Also wurde ich von da an wieder an die Infusion mit Antibiotika angehängt.

Um 2 Uhr war die erste Dosis durch und um 5:30 Blutabnahme. Was mich alles nicht daran hinderte wie ein Murmeltier zu schlafen.

Die Visite war gut. Im Gegenteil – sehr gut! Die Entzündungswerte fallen schon wieder. Ich habe dann mal gefragt, wie sehr ich noch auf ein Hirnschlag gefährdet bin. Zur Erinnerung: mein Tumor drückt auf ein paar Leitungen nach oben, bzw. von oben.

Antwort vom Doc: eher gering. Auch wegen dem Blutverdünner – uuuuuund (*trommelwirbel*) – er meint, dass die Therapie schon wirkt und der Tumor am Zerfallen ist. Das ist natürlich nicht durch Diagnostik gesichert – aber hey! Die sagen sowas nicht einfach ins blaue! Nicht auf dieser Abteilung!

Ich bin heute recht fit und hatte heute morgen das erste und dazu ein sehr gutes Geschäftsführungsmeeting via Skype. Ich möchte inhaltlich nicht allzu sehr ins Detail gehen – aber an der Stelle muss ich Johannes und Gerhard Klement mal Danke sagen! Unglaublich ihr beide!

Ansonsten passiert heute nicht viel. Ab morgen geht die Chemo in die nächste Runde. Es sind die gleichen Medikamente, dafür aber doppelt so lang. Also durchgehend bis Samstag. Bin gespannt.

Das heutige Lied hat Schatz die Tage mir geschickt. Wir sind eh Lindenberg Fans. Haben ihn sogar mal in Hamburg getroffen. Wahnsinns Typ und sicher nicht der letzte Song von ihm den ich hier poste!

Warum dieses Lied? Hey schaut euch den Text an! Kann es einen passenderer momentan geben?


Muss da durch
Udo Lindenberg

War ein schöner Sommer
Der nicht zu Ende geht
Jeder Tag ’n Highway
Der mir offensteht
Ey, die Götter haben’s wirklich gut mit mir gemeint
Und die Zukunft war mein bester Freund

Doch gerade, wenn du denkst 
Es kann nicht besser kommen
Trifft dich ’n linker Haken
Knallst auf den Beton 
‚Ne dunkle Wand und ein Riss geht durch die Zeit
Und dann ist’s vorbei mit der Unsterblichkeit

Muss da durch
Ganz egal, wohin die Stürme mich auch wehen
Ganz egal, muss ich auch durch die Hölle gehen
Ich werd diesen harten Trip schon überstehen
Du wirst sehen, wird schon gehen

Muss da durch
Schickt das Leben dich mal auf die Bretter drauf
Ey, so’n Fighter, der steht immer wieder auf 
Und dann wirst du deine Sonne wieder sehen 
Und wie ein Phönix auferstehen 
Muss da durch
Geh da durch
Ich muss da durch

Manche Wunden heilen
Heilen wieder zu
Doch die Narben bleiben, trag sie stolz wie ein Tattoo
Der schwarze Abgrund, nur noch einen Schritt entfernt
Und du springst, damit du fliegen lernst

Muss da durch
Ganz egal, wohin die Stürme mich auch wehen
Und wenn es sein muss, werd ich durch die Hölle gehen
Ich werd diesen harten Trip schon überstehen
Du wirst sehen, wird schon gehen

Muss da durch
Schickt das Leben dich mal auf Bretter drauf
Ey, so’n Fighter der steht immer wieder auf 
Und dann wirste deine Sonne wieder sehen
Und wie ein Phönix auferstehen
Muss da durch
Geh da durch
Ich muss da durch

Muss da durch
Das wird gehen
Wie ein Phönix auferstehen


Day 24 – Montag, 26.08.2019

Auch die letzte Nacht war gut. Bei der letzten Messung um 4 Uhr hatte ich einen Blutdruck von 130/90. Das ist schon eher mein Bereich.

Visite ist mit mir zufrieden. Auch mit meinem Bauch. Die Pflegekräfte bestanden darauf, den mal den Ärzten zu zeigen. Ich bekomme jeden Tag zweimal eine relativ hohe Dosis Blutverdünner gespritzt. Dadurch blutet das ein bisschen ein. Also, alles unterhalb des Bauchnabels, von links nach rechts ist komplett durchgängig blau. Hab ein Bild gemacht – aber das ist doch zu heftig.

Außer große Blutabnahme passiert heute nicht viel. Ich werde wieder ein bisschen arbeiten, hier am Blog schreiben und relaxen.

Gestern habe ich ja schon angekündigt, mal wieder über ein Thema außerhalb der Krankheit zu schreiben. Da ich im Moment relativ fit bin, gehe ich das mal an.

Mein Thema heute ist die Musik. Ihr kennt mich. Ihr wisst wie wichtig mir die Musik ist. Ob ich nur Musik höre oder selbst musiziere. Musik kann sehr starke Emotionen in mir wecken.

Umso mehr schmerzt es, dass ich momentan nicht Gitarre spielen kann. Hab echt schon überlegt ob es hier im Krankenhaus eine Möglichkeit gibt. Solange ich aber nicht alleine auf dem Zimmer bin, ist es einfach nicht machbar.

Boah, wie gut könnte ich nach der langen Zeit hier drin spielen!

Das ich nicht üben kann ist eins. Aber das ich nun auch nicht mit Rockin’1000 im Oktober in Milano spielen kann tut weh. Noch mehr tut mir Heizraum weh.

Ich hab die Band heute angeschrieben und darum gebeten, dass sie für mich einen Ersatz suchen. Das wäre mir wichtig! Es sind Auftritte geplant und ich bin sicher ein Jahr weg. Es muss weitergehen!

Natürlich will ich zurück in die Band und zu Rockin’1000!
Dies ist eine wichtige Motivation für mich!
Aber bis dahin – das Leben geht weiter – the show must go on!

Queen – Show must go on

In künftigen Beiträgen verlinke ich ab und an Songs die ich momentan höre, die mich beschäftigen, die mich berühren. So können wir uns vielleicht ein paar Emotionen teilen.


Day 23 – Sonntag, 25.08.2019

Die Nacht war gut. Ungewöhnlich lange geschlafen. Nur der Kreislauf bleibt stabil unten. Nicht tragisch, nur für mich der eigentlich Blutdrucktabletten braucht, ist ein Dauerblutdruck von 100/80 und einem Ruhepuls um die 110 doch etwas gewöhnungsbedürftig. Was soll’s. Heute ist eh ein Ruhetag. Viel gelesen und geschlafen.

Das anstrengendste war heute mittag, mit Schatz ins Cafe zu gehen und ein Stück Sonntagskuchen zu essen. Aber schön war’s!

Hab mir eigentlich ein Thema vorgenommen, über das ich heute berichten wollte. Bin aber zu faul und belasse es damit für heute. Hab euch alle lieb!

Mein Fensterplatz im Zimmer. Ich kann es zwar nicht öffnen, aber zumindest ist es toll hier zu sitzen und zu lesen – oder auch nur um den Blick nach draußen schweifen zu lassen.

Day 22 – Samstag, 24.08.2019

Heute bin ich spät dran mit meinem Eintrag. Das liegt daran, dass Conny bis eben hier war. Es war ein schöner gemütlicher Abend mit ihr.

Doch von vorne: letzte Nacht war im Vergleich eine der besten. Auch bekomme ich jetzt für ein paar Tage kein Kortison mehr.

Der Tag lief gut an und ich war heute eine Stunde im Fitnessstudio. Danach ging es mir gar nicht so gut. Statt Dusche, liegen bis zum Mittagessen und auch danach war ich platt.

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Entweder das Training war doch zu viel, das fehlende Kortison macht sich bemerkbar, oder die Nebenwirkungen der Chemo (immerhin schon neun) beginnen nun.

Oder wie der Pfleger meinte: alles drei…

Ab 16 Uhr und einem Kaffee ging es dann langsam etwas besser, ich konnte duschen und mit Schatz für 1,5h raus.

Schwester war eben da. Blutdruck ist heute Abend noch zu tief. Ruhepuls über 110 zu hoch. Werde heute Nacht beobachtet…

Schauen wir mal! Morgen also piano!

Verschlagwortet mit

Day 21 – Freitag, 23.08.2019

Boah. Die Nacht war nicht existent. Aber kein grübeln, oder so. Einfach kaum in Schlaf gekommen. Ab 2:30 auf dem Handy, die Termine farblich markiert. Geburtstage und Jahrestage sind nun violett. Geschäftlich blau. Privat grün. Krankheit rot… (*augenroll*).

Themen für die nächsten Geschäftsbesprechungen notiert. Dann bisschen über den Blog nachgedacht und was ich noch damit machen möchte. Bin zum Entschluss gekommen, dass ich nicht nur über meinen Tag berichten möchte, sondern auch ab und an über Themen am Rande mal ein paar Sätze verlieren möchte.

Das erste Thema wäre die Arbeit/Beruf. Der erste Satz den mir die Arbeitskollegen sagten war: „du konzentrierst dich jetzt auf dich! Wir halten dich so gut es geht raus!“ Es ist toll so ein Team hinter einem stehen zu haben, bei dem man weiß, dass alles weiterhin gut weiter läuft!

Doch es gibt da noch eine Kehrseite der Medaille. Ich weiß ja nun, dass ich hier für sehr lange „eingesperrt“ bin. Kein Fenster zum öffnen. Zimmer unter immer gleicher temperierter keimfreier Luft. Hohe Hygieneanforderungen und mit fortschreiten der Therapie immer weniger Kontakt zu meinen Mitmenschen. Da bekommt man schon ein bisschen Beklemmungen.

Dazu kommt ja, dass ich geistig ja noch voll fit bin. Warum soll ich da die Zimmerdecke anstarren und grübeln? Lesen, TV, Handy – alles mal ganz nett – aber nur? Und was ist das für ein Gefühl, wenn einem alles abgenommen wird? Auch wenn es nicht stimmt, aber es kommt hoch, dass man nicht mehr gebraucht wird.

Wie gesagt, das meiste meiner Arbeit konnte ich delegieren. Aber ein paar Dinge gibt es halt doch immer, bei denen das nicht geht. Arbeiten die zum Beispiel ein gewisses Maß an Kreativität fordern.

Technisch ist das alles heutzutage überhaupt kein Problem mehr. Ich arbeite mit dem Laptop oder IPad via TeamViewer auf meinem Büro-PC. Dank des schnellen WLAN’s in der Uni sogar in Photoshop recht flüssig.

Was ich aber noch von unserm externen IT’ler einrichten ließ, war an mehreren wichtigen Arbeitsplätzen und im Besprechungsraum einen Skype-Zugang. Nun kann ich mit allen Mitarbeitern direkt reden. Das ist etwas ganz anderes als nur telefonieren. Die Krönung ist aber der Besprechungsraum. Hier bin ich wirklich gefühlt im Raum bei den Meetings dabei. Das ist toll! Ich nenne es mein Schlüsselloch in die normale Welt. Ihr glaubt nicht wie gut das tut!

Mit Conny in meiner ersten Kommandozentrale

Natürlich muss ich aufpassen und mir nicht zu viel zuzumuten. Aber das bekomme ich hin!

Soviel zum Thema Arbeit mal. Was war heute sonst noch so? Eigentlich habe ich einen recht relaxten Tag erwartet. Grundsätzlich war er das auch. Das Frühstück war klasse. Ihr müsst wissen, dass es in der Uni keine Frühstückseier gibt. Die habe ich gestern beim Ausflug mit einem feinen Kräutersalz reingeschmuggelt. Dazu schöne Musik aus dem Radio. Super!

Mein Zimmergenosse und ich haben das Frühstück genossen – er besonders – er darf heute nach Hause. Irgendwie schade. Aber so ist es nunmal – und insgeheim freute ich mich auf das „sturmfreie“ Wochenende eines Einzelzimmers.

Pustekuchen. Tür geht auf: „Herr Triebler! Bitte packen! In 10min holen wir Sie ab! Sie ziehen in Zimmer 11.“ Vorbei war unser Frühstückszauber.

Der neue Zimmergenosse – wobei in dem Fall bin ich der neue – war nicht im Zimmer zu meinem Einzug und war genauso überrascht von mir. Auch er hatte vom Einzelzimmer geträumt.

Er ist auf den Rollstuhl angewiesen und braucht ein paar Apparaturen mehr als ich. Somit ist der Platz im Zimmer und Bad etwas beengter. Ist aber kein Problem. Vom Alter her passt es und auch sonst haben wir uns ganz gut arrangiert. Anscheinend darf er Mittwoch schon wieder raus. Schauen wir mal…

Später bekam ich dann noch die gewünschte Einweisung im Fitnessstudio und einen Trainingsplan – wieder eine regelmäßige Aufgabe – das gefällt mir!

Da am Freitag die Firma früher Feierabend macht, kam Conny auch schon mittags zu mir und wir haben dann noch bis zum Abendessen zusammen gearbeitet und ich konnte ihr ein paar Personalsachen beibringen.

Nach dem Essen noch unsere Runde in den Park. Ohne Probleme die Treppen hoch und uns verabschiedet.

Daily-Selfie auf unserer Parkrunde

Nun sitze ich hier und schreibe diese Zeilen. Ich denke der Abend wird chillig und hoffentlich mal wieder Schlaf – im neuen Zimmer…


Day 20 – Donnerstag, 22.08.2019

Die Nacht war gut. Ich war eigentlich nach dem Heute-Journal müde, habe beim Wetter umgezappt und bin bei SternTV doch noch hängengeblieben.

Es kam die Fortsetzung einer Reportage, die ich früher schon verfolgte. Über die Familie Ritter. So unglaublich. Traurig. Ich kämpfe um mein Leben und andere schmeißen es einfach weg. Ich mache mir Gedanken. Hatten Sie wirkliche Chancen? LINK auf YouTube

Um Mitternacht dann wunderbar eingeschlafen, keine (zumindest bewussten) Träume.

Gegen 5:30 aufgewacht. Eigentlich sollte die Blutabnahme schon vor einer halben Stunde erfolgen. Erstmal Toilette. Blick in Spiegel. Oooops. Mein Hals und Shirt rot. Es hat wieder nachgeblutet. Im selben Moment kam aber auch passend die Schwester.

Hat mich neu verbunden und beruhigt. Ist durchaus normal – auch der Blutverdünner spielt da eine Rolle.

Beginne meinen WhatsApp-Verlauf aufzuräumen. Drehe mich doch nochmal um und denke wieder an Familie Ritter. Lese dann doch lieber mein Buch weiter:

Hab von Schatz das Buch „Elefant (Martin Sauter)“ bekommen.

Das Buch ist leichte beschwingte Kost. Prima um die Gedanken abschweifen zu lassen. Ein modernes Märchen: „Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdachlosen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte eine weltweite Sensation daraus machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn es gibt auch Leute, die es beschützen wollen, etwa der burmesische Elefantenflüsterer Kaung.“

Morgenvisite der Schwester. Alle Vitalwerte top. Paar Dinge mit ihr besprochen: Mundhygiene. Da die Chemo ja auf schnellteilende Zellen abzielt, greift es leider auch gesunde Zellen an. Dies sind unter anderem die Schleimhäute. Hier muss ich besondere Vorkehrungen nach jedem Essen machen. Spezielle Zahnputztechnik, Mundspülung und dann ein Anti-Pilzmittel aufbringen.

Dann wollte ich auch wissen wie es mit Physio oder Sport ausschaut. Hier auf Station ist gegenüber ein kleines „Fitnessstudio“.

Die Treppen gestern haben ganz schön in den Oberschenkeln gebrannt. Das schwierige bei mir ist, ich hab etwas Wasser in Lunge und Herz. Dazu die Chemo. Wenn ich mir zuviel zumute – was mein Naturell ist – kann das Ganze kontraproduktiv werden. Aber ich wurde beim Physiotherapeuten angemeldet. Der soll mir einen Plan erstellen.

Das nächste Thema war die Folgekrankmeldung. Auch das wird natürlich zum Thema. Denn ich laufe ja nun in das Krankengeld und auch wenn ich hier versorgt bin, laufen die Kosten weiter. Das ist bei mir auch nicht anders und muss geregelt sein.

Aber die Schwestern und Pfleger sind alle super. Alle Fragen werden beantwortet. Alle Wünsche bisher erfüllt. So auch die heutigen.

Dann stand ja die nächste Chemo an. Aber siehe da, auch gut vertragen. Nicht das ich gar nichts davon spüre – aber hey – alles Peanuts.

Wieder als Schatz Abends kam, wurde ich abgehängt und durfte raus. Heute sogar ganz raus aus dem Klinikgelände. Ich brauchte ein paar Dinge, wie z.B. einen Schal, damit ich nicht draußen aussehe wie ein Cyborg.

Ein Wunsch war noch ein kleiner Lautsprecher, damit ich im Zimmer mal ein bisschen Radio ohne Kopfhörer hören kann. Zum einen besser zum beplätschern lassen im Bett. Zum anderen auch wenn ich auf bin und am Laptop sitze. Klar, Bettnachbar muss mitmachen – aber mein Kollege wird morgen Heimatnah an den Bodensee verlegt und ich hoffe auf eine Weile – zumindest übers Wochenende – auf „Sturmfrei“.

Natürlich hat zu zweit auf dem Zimmer auch was. Ich bin ja einer der immer sozialen Kontakt sucht. Aber klar, man muss sich schon arrangieren. Alleine wegen der Hygiene. Toilettengänge sind da gar nicht so einfach! Oder auch wenn Besuch kommt. Wäre ich alleine, kann mein Besuch für mich Mundschutz tragen. Jetzt muss auch mein Zimmernachbar jedesmal einen aufziehen wenn jemand kommt.

Meist gehe ich dann mit meinem Besuch in die Stationsküche. Ist aber auch doof – und wird mit Fortschreiten der Chemo nicht mehr möglich sein.

Aber bis jetzt hatte ich keine Probleme mit meinen Leidensgenossen. Im Gegenteil. Heute Nachmittag geht die Tür auf, steht mein letzter Kumpel, der Thomas vom Titisee da! Er ist nach seiner Entlassung in ambulanter Behandlung hier in Freiburg und ist danach zu mir gekommen. Das hat mich gefreut!

Ich merke nun langsam, dass es anstrengender wird und musste mich heute relativ viel hinlegen. Aber das Shoppen (und auswärts Essen mit Schatz und Schal) hab ich geschafft.

Also. Fazit von heute: Guter Tag!